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Seit Jahren planten wir; Hans Peter Hommes, Guido Brinkmeyer und Tadeuszs Pawlak eine Reise auf die urwüchsige,
vulkanische Insel im Nordantlantik. Nachdem wir uns durch Reiseberichte über diese Insel informiert hatten, war uns klar das wir nicht mit normalen Motorrädern diese Reise antreten wollten. Wir entschloßen uns für
unsere Zündapp KS- 750 Gespanne, die zwar nicht dem neuesten Stand der Technik entsprachen, aber für dieses Unternehmen wohl das einzig brauchbare Gefährt waren.Unsere Seereise begann in Hanstholm/Dänemark nit der
MS-Norönna der Smiril Line, die uns nach zwei Tagen auf den Färöer-Inseln zu einem zweitägigen “Zwischenstopp” absetzte. Die Fähre fuhr in dieser Zeit nach Bergen/Norwegen, um weitere
Islandwillige(verrückte) dort aufzunehmen. Nach einer weiteren 30 stündigen Seereise erreichten wir endlich dieses sagenumwogene, unwirkliche Island.Die vom Fährhafen Seydisfjödur im Osten der Insel zur Ringstraße 1
führende Paßstraße vermittelte uns dann erst einmal einen kleinen Vorgeschmack auf das was uns noch erwartete, 18%ige Steigung mit losem Geröll. Die vor uns losgefahrenden Endurofahrer mit ihren schnellen Maschinen trafen wir dort wieder, meistens aber nicht fahrend, sondern schiebenderweise, und deren Beifahrer(innen) waren damit beschäftigt diverse Ausrüstungsgegenstände(Schlafsäcke, Essbestecke etc.) enzusammeln, die sie zuvor durch die schlechte Piste verloren hatten. Wir überholten sie ganz unverblümt(jetzt lachte keiner mehr von ihnen über unsere Maschinen)
Nach 40 Kilometern erreichten wir die Ringstraße 1, diese Straße führt ca. 1,500 Kilometer an der Küste entlang, und ist die Hauptverbindungsroute um Island herum. Von diesen ca. 1,500 Kilometern sind
höchstens 200 Kilometer asphaltiert, der Rest ist meist nur Schotterpiste, der waschbrettartig ausgefahren ist; zum Leidwesen für Mensch und Maschine.An der Ringstraße 1 ist eine grundsätzliche Festlegung der
Reiseroute notwendig, links oder rechts herum. Wír hatten uns entschieden zuerst die recht windige und kühle Gebirgsstrecke in den Süden an der Küste entlang zum Vatnajöküll , dem größten zusammenhängenden Gletscher
Islands entlang zu befahren. Auf halber Strecke liegt das Städtchen Höfn. Unsere Vorstellung von einem kleinen, idyllischen Hafenstädtchen, wie wir sie auf den Faröer-Inseln fanden, traf für diese Isländischen
Hafenstädtchen leider nicht zu. Alte Häuser oder Stadtteile fanden wir nur in den größeren Städten, die kleineren Orte bestanden fast ausschließlich aus Neubauten und konnten den amerikanischen Einfluß nicht verleugnen.
Das Zentrum aus Post, Supermarkt, Tankstelle mit Grillstation, einer Neubausiedlung und natürlich der Kirche, war mehr funktionell als das es uns zum Verweilen einlud.Das Zelten in freier Natur ist erlaubt, außer in
den vielen National-Parks. Meistens finden wir einen windgeschützten Platz mit einem kleinen Bach, um unsere Zelte vor dem ewigen Wind zu schützen, unweit der Piste. Das Wasser aus den kleinen Bächen konnten wir
bedenkenlos trinken, es war sauberes, gutschmeckendes Gletscherwasser. Etwas gewöhnungsbedürftig war die Mitternachtssonne dort am Polarkreis. Der stundenlange “Sonnenuntergang” mit seinem goldenen Licht, ging ab
Mitternacht nahtlos in den Sonnenaufgang über. Die letzten 30 Kilometer bis zum Zeltplatz am Vatnajöküll waren eine einzige Tortour. Die Piste war in einem so schlechtem Zustand, daß wir stellenweise das Gefühl hatten
quer über einen gefrorenen Kartoffelacker zu fahren. Dort überholten wir dann auch wieder einige der Endurofahrer, die uns vorher wieder eingeholt hatten. Unsere Gespanne verhielten sich am ruhigsten bei “schneller
Fahrt”, was auf dieser Piste um 40 km/h bedeutete. Endlich an der asphaltierten Einfahrt zum Zeltplatz im Nationalpark-Skaftafjell angekommen, bemerkten wir das daß Gespann von Tadeusz ein etwas eigenwilliges
Fahrverhalten einnahm; das Gespann sollte nach links, der Beiwagen aber wollte nach rechts. Nach kurzer Inspektion stellten wir fest, daß die vordere Kugelkopfbefestigung, an der der Beiwagen befestigt ist, durch die
Vibrationen während der Fahrt gebrochen war. Auf einem nahegelegenen Bauernhof haben wir den Bolzen wieder zusammengeschweißt. Bei meiner KS mußte lediglich der Lenker neu befestigt werden, sowie bei Hans Peter der
Spiegel. Vom Skaftafjell-National-Park aus fuhren wir stundenlang durch die monotonen, flachen Sander(ausgetrocknete Flußläufe) Diese Sander bestehen aus schwarzem Sand und Kies, der sich bei der Schneeschmelze im
Frühjahr ablagert, und bis zu 20 Kilometer weit ins Meer reicht. Bis in die siebziger Jahre konnten diese Sander, mit den sich häufig verlagernden Gletscherflüßen nur mit Pferdewagen überquert werden. Dann wurde die
Ringstraße 1 durch mehrere Brücken von Ost nach West verbunden. Während der Schneeschmelze werden diese Brücken manchmal weggespült, und müßen dann erneut aufgebaut werden. Nach den flachen Sandern wechselt die
Landschaft plötzlich über in ein grünbemoostes Lavagebiet. Von dort aus ging es dann bei einem kleinen Ort, mit dem unaussprechlichen Namen Kirkjubaejarklaustur (oder so ähnlich) nach Norden auf unsere erste Hochlandstrecke
. Diese Routen sind zu größten Teil bis zum Frühjahr gesperrt. Nach der Schneeschmelze fährt ein riesiger Erdhobel und hobelt die Strecke in einen “befahrbaren” Zustand. Die Strecke ist Geröllbedeckt, sandig und bei
Regen verschlammt. So windet sich Strecke mit Steigungen bis zu 30% quer durch das Hochland. Die Streckenführung macht auch vor Bächen und kleineren Flüßen keinen Halt, alles ohne Brücken natürlich. Diese Gewässer
sollte man natürlich nicht ohne vohergehende Kontrolle durchfahren. Zu diesem Zweck hatten wir hüfthohe Anglerstiefel im Gepäck, mit denen einer von uns(meistens Tadeusz) die Furt suchen mußte. Da die Flußbette von den Geländewagen meistens tief ausgefahren waren, waren wir gezwungen manchmal im Zick-Zack die teilweise 150-250m breiten Gewässer zu überqueren. Unsere kritische Wassertiefe lag bei ca.50 cm, das hört sich nicht allzu hoch an, wenn man aber bedenkt das unsere KS bis zum Tankdeckel nur 95cm. hoch ist, dann sind die 50cm. bis zum Luftfilter doch schon einiges. Tadeusz erwischte einmal bei einer Routineüberquerung ein tiefes Loch im Flußbett, so das seine Maschine fast hochkant stand. Aber mit der Hilfe eines freundlichen Isländers, und dessen Geländewagen, schafften wir es die Maschine ohne Schäden wieder an Land zu bekommen.
Im Vulkangebiet der Eldgja (Feuerspalte) und Hekla (Hexe), blieben wir einige Tage und unternahmen mehrere Wanderungen zu einigen der vielen Vulkankrater mit Durchmessern von mehreren Metern, bis zu 30 Kilometern bei
der Eldgja-Spalte. Am Ende der Eldgja-Spalte befindet sich ein sehr reizvoller, in zwei Stufen stürzender Wasserfall mit einer Natursteinbrücke, die mit den Jahrhunderten aus dem Lavagestein herausgespült wurde.
Unsere weitere Strecke führte uns durch die Lava-Wüste der Hekla, vorbei an Lavagestein und von schwarzer Lava-Asche überdecktes, unwirklich anmutendes Gebiet (fast wie auf dem Mond). Staubige Sandstrecken und unzählige
Gewässer mußten von uns überquert werden (Tadeusz ist auch in kein Loch mehr reingefahren!) bis wir nach zwei Tagen wieder die Ringstraße 1 erreichten.
Das Wetter war bisher fast immer sonnig und mit bis zu +22 Grad besser als wir erwartet hatten. Reykjavik haben wir nur einen Tag besucht, und sind dann weiter zu den Geysiren gefahren. Der große Geysir erweckt leider
den Eindruck eines Warm-Wasser-Pools. Ein Isländer erklärte uns das läge an der Seife (Hä. Wie an der Seife ?). Früher hat man für die Touristen Unmengen von Seife in den Geysir
gekippt, dadurch wurde die Oberflächenspannung des Wassers gebrochen, und der Geysir schoß seine Fontäne hoch. Das hat leider dazu geführt, das sich jetzt gar keine Oberflächenspannung mehr aufbaut, und der Geysir ”kommt” nicht mehr. Der kleine Bruder, der
Strokkur
, der nur 200m entfernt ist, bläst dagegen noch alle acht bis zehn Minuten eine, zwar nur 20 bis 30 Meter hohe Fontäne, doch dies ist auch recht eindrucksvoll. Von hier fuhren wir über eine weitere Hochlandstrecke
weiter in den Norden. Diese sollte sehr schön sein, aber gesehen haben wir nicht viel davon, denn wir fuhren einen tag und eine halbe Nacht im Nebel. Woran wir uns erinnern: Temperaturen um Null Grad, dauernd
beschlagene Brillen, keine Sicht und plötzlich nach Stunden ein LKW voller Fahrt aus dem Nebel auftauchend, wobei wir feststellten, dass rechts der Piste das Gelände nicht schlechter war als die Strecke selbst. Nach
180 Kilometern war dann ein Packtaschenhalter aus dem Blech gerissen, mein Spiegel lag im Seitenwagen, unser Wasserkanister war undicht und das Unterteil von Tadeusz’ Vergaser hatte sich gelöst und hing einen Zentimeter
unter dem Oberteil. Festgestellt haben wir es nur, weil seine Maschine kein Standgas mehr hatte. Nach diesen Strapazen legten wir eine mehrtätige Fahrpause auf einem kleinen Zeltplatz an einer Schule ein. Sehr oft
werden in den Sommermonaten die Schulen als Jugendherberge oder Zeltplatz genutzt. Das Gute an deisem Zeltplatz war, daß von einem heißen Bach erwämte Freibad. Es war schon seltsam, als wir das erste Mal an dem circa 1
m. breiten Bach hielten, der nur leicht dämpfte, da es ein sehr sonniger Tag war. Als wir unsere Hände in das Wasser tauchten, zogen wir sie erschrocken zurück. Das Wasser war unerwartet heiß. Baden konnten wir dann
doch in dem Bach. Und zwar dort, wo er in einen kalten kleineren Fluß mündete. Hier konnten wir die Temperatur von heiß bis kalt wählen, jenachdem wo wir uns niederließen. Kurz vor Akureyri erzeugte der Motor in
Tadeusz’ KS-750 laute Geräusche. Ich schleppte ihn noch, unter Benutzung von Differentialsperre und Geländeübersetzung, über mehrere Pässe, bis zum Zeltplatz.Als wir die Zylinder abnahmen, sahen wir direkt, dass ein
Weiterfahren mit seiner KS nicht möglich war, da ein Nadelkäfig zerbrochen und die Nadeln die originale Kurbelwelle beschädigt hatten. Ein typischer Zündapp-Schaden. Die letzten 300 Kilometer vorbei am Myvattn (Mückensee)
bis zur Fähre fuhr seine Maschine auf einem isländischen LKW und Tadeusz als Soziusfahrer bei mir mit. Nach sechs Wochen Island kehrten wir wieder zu unserem Ausgangspunkt unserer Reise, den Fährhafen von Seydisfjördur zurück.
Nach 2.500 Kilometern Islandfahrt mit unseren Zündapp KS-750 stellte wir fest, dass wir gute Kräder fuhren, die auch noch nach 45 Jahren den modernen Enduros entgegenstehen konnten. Der Schaden an der KS von Tadeusz
hat gezeigt, daß die Originalen, nadelgelagerten Zündappkurbelwellen bei weitem nicht so standfest waren als die beiden anderen, die wir durch eine stärkere Ölpumpe auf
Gleitlager umgerüstet haben.
Wir Denken noch oft an unsere Islandreise, und wissen es war nicht unsere letzte Reise auf dieses urwüchsige Eiland am Polarkreis !!!!! |